RER - Respiratorischer Austauschquotient
Der metabolische Fingerabdruck, der deinen Brennstoffmix verrät.
Der Respiratorische Austauschquotient (RER) ist das Verhältnis von produziertem Kohlendioxid zu verbrauchtem Sauerstoff (VCO2/VO2) während der Belastung. Er bietet einen Einblick, welche Brennstoffe der Körper in welchem Verhältnis nutzt, und ist damit eine der wichtigsten Metriken in der metabolischen Testung.
RER-Werte interpretieren
Ein RER von 0,70 zeigt nahezu reine Fettoxidation an, während ein RER von 1,00 nahezu reine Kohlenhydrat-Oxidation bedeutet. Werte zwischen 0,70 und 1,00 stehen für eine Mischung beider Brennstoffe. In Ruhe hat eine gesunde Person typischerweise einen RER von 0,80-0,85. Bei hochintensiver Belastung kann der RER über 1,00 steigen, bedingt durch überschüssige CO2-Produktion aus der Pufferung von Milchsäure.
RER in der Leistungsdiagnostik
Der RER ist entscheidend für die Bestimmung von FatMax-Zonen, ventilatorischen Schwellen und Substratverwertungsmustern. Ein RER konstant über 1,00 während eines Rampentests deutet darauf hin, dass der Athlet sich der VO2max nähert und fast ausschließlich auf Kohlenhydratstoffwechsel angewiesen ist. Der Crossover-Punkt - an dem der RER von fettdominant zu kohlenhydratdominant wechselt - liegt typischerweise bei etwa 0,85 und ist ein wichtiger Trainingslandmark.
Praktische Hinweise
Die RER-Genauigkeit hängt von Steady-State-Bedingungen ab. Warte 2-3 Minuten auf jeder Intensitätsstufe, bis sich der Gasaustausch stabilisiert hat. Die Vorab-Ernährung beeinflusst den RER erheblich: eine kohlenhydratreiche Mahlzeit vor dem Test verschiebt den Ausgangs-RER nach oben. Für wiederholbare Ergebnisse standardisiere die Ernährung 24 Stunden vor dem Test. OpenSpiro zeigt den RER in Echtzeit an und verwendet Atemzug-für-Atemzug-Mittelung für glatte, zuverlässige Werte.
Quellen & weiterführende Literatur
- Indirect calorimetry: methodology, instruments and clinical application — Ferrannini E, J Appl Physiol 1988
- Energy expenditure by indirect calorimetry in exercise — Weir JB, J Physiol 1949